Sind Könige oder Päpste näher zu Gott?

Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten

Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten

Beginnend mit Bologna im Jahr 1088 entstanden die ersten Universitäten. Die Lehre dort stützte sich vor allem auf biblische und aristotelische Texte, sodass die Gelehrten fortan europaweit auf einer gemeinsamen Grundlage und Denkweise aufbauten. Auch in den Schriften des Thomas von Aquin (lateinisch: Thomas Aquinas), der in Neapel, Paris und Köln studiert hatte, ist der Einfluss von Aristoteles unverkennbar: Weiterlesen

Sind wir alle verdammt?

Augustinus: Zweinundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
Augustinus: Zweinundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

Ein Zeiteuge des römischen Niedergangs war der am 13. November 354 geborene Augustinus, Sohn eines kleinen Landwirts in Nordafrika. Er wuchs damit im wichtigsten Getreideanbaugebiet Roms zu einer Zeit auf, in der Constantinus längst die christliche Wende des Reiches eingeleitet hatte. Von der Mutter christlich erzogen, hing Augustinus in seinen Ausbildungsjahren zum Rhetorik-Lehrer zwischenzeitlich anderen Glaubensrichtungen an, bis dann im Alter von 31 Jahren die völlige Hinwendung zur Religion seiner Kindheit während eines Aufenthalts in Mailand bei genau jenem Bischof Ambrosius erfolgte, der zwei Jahre später niemand geringeren als Kaiser Theodosius aus der Kirche ausschließen sollte. Das konnte Augustinus zwar nicht ahnen, aber immerhin war das Christentum zum Zeitpunkt der Bekehrung bereits Staatsreligion. Christ zu sein, war folglich kein Wagnis mehr, sondern vom Kaiser per Gesetz vorgegeben. Augustinus ging nach seiner nicht nur gesetzlich bestimmten, sondern nun auch persönlich empfundenen Übernahme des christlichen Glaubens zurück nach Afrika und gründete dort in jenem Jahr 391 ein Kloster, in dem Theodosius das Verbot aller heidnischen Kulte aussprach und damit jenem Gott tatkräftig zur Durchsetzung verhalf, den er selbst eigentlich nicht als hilfsbedürftig, da allmächtig ansah.

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Schließen Demokratie und Republik einander aus?

Cicero: Vom Staat

Cicero: Vom Staat

Im Jahr 62 vor Christus kehrte der mächtigste Mann jener Zeit, Gnaeus Pompeius Magnus, von einem Feldzug zurück. Unter dem zwischenzeitlichen Diktator Lucius Cornelius Sulla Felix als Feldherr früh zu Ansehen gelangt, hatte Pompeius mit den Piraten im Mittelmeer aufgeräumt, deren Unwesen immer lästiger geworden war. Außerdem hatte er in Kleinasien eine empfindliche Niederlage der Römer verhindert und für Ordnung gesorgt. Pompeius war militärisch grandios erfolgreich, dem Senat sogar ein wenig zu erfolgreich. Zurück in Rom verlangte der siegreiche Feldherr die Verteilung von Land an seine Soldaten, um sie in durchaus üblicher Weise für ihre Verdienste zu belohnen. Einflussreiche Senatoren wollten ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung machen, um zu zeigen, wer Herr im Haus ist.

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Wozu Demokratie?

In eigener Sache

Hubertus Niedermaier: Wozu Demokratie?

Hubertus Niedermaier: Wozu Demokratie?

Heute erscheint mit „Wozu Demokratie?“ ein Streifzug durch die politische Geschichte der Philosophie. Er präsentiert politischen Philosophen im Kontext ihrer Zeit und stellt eine Verbindung ihrer Theorien zu unserer heutigen Demokratie her. Im Mittelpunkt stehen dabei Gründe für die Entstehung ausgewählter philosophischer Ansätze und deren nachhaltige Bedeutung für unsere heutige Form des Zusammenlebens. Das Buch will Verständnis schaffen, ohne ausschweifend umfassend oder unzumutbar vereinfachend zu sein. Es versucht einen Überblick zu geben, aber nicht die Dinge so erschöpfend zu behandeln, dass den Leser das gleiche Schicksal ereilt. Ein kurzer Auszug:

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Woher kannte Platon das Wesen der Dinge?

Nach seiner Verurteilung bot sich Sokrates die Chance zur Flucht, doch er ließ sie verstreichen. Seinen Freunden erklärte er dies damit, dass er sich auch im Angesicht des Todes den Gesetzen unterwerfen müsse, da der Staat sonst zerrütte. Staat, das ist in diesem Fall die Polis von Athen, also das Stadtgebiet mitsamt dem Umland der gesamten Halbinsel Attika, wo insgesamt circa 150.000 Menschen wohnten. Von Westspanien über Süditalien und Libyen bis Kleinasien sowie rund um das Schwarze Meer gab es mehr als hundert solcher – wenn auch nicht so großer – griechischen Stadtstaaten, wobei all diese Regionen durch Kolonisation vom griechischen Stammland aus besiedelt wurden. Jede Polis hatte eine eigene Regierung und ein eigenes Rechtssystem.

Die Gesetze des Stadtstaates Athen stellte Sokrates nun über sein eigenes Leben und das, obwohl das Todesurteil aus seiner eigenen Sicht zu Unrecht verhängt wurde. Weshalb aber misst er dennoch dem Staat eine solche Bedeutung bei? Da Sokrates selbst nichts Schriftliches hinterlassen hat, muss man die Antwort bei seinem Schüler Platon suchen. Dieser war zum Zeitpunkt der Verurteilung seines Lehrers 30 Jahre alt und hat fortan Dialoge niedergeschrieben, in denen Sokrates die Hauptrolle einnimmt. In einem solchen Gespräch lässt er seinen Bruder Adeimantos zusammen mit Sokrates der Frage nachgehen, weshalb Menschen nicht alleine, sondern zusammen leben: Weiterlesen

Woher wusste Sokrates, dass er nichts weiß?

Im Jahr 399 vor Christus, also vor mehr als 2400 Jahren, steht in Athen ein siebzig Jahre alter Mann vor Gericht. Ihm werden so schwere Verbrechen zur Last gelegt, dass ihm die Todesstrafe droht, sollte das Gericht ihn für schuldig befinden. Ihm wird vorgeworfen, dass er „die Jugend verderbe und die Götter, welche der Staat annimmt, nicht annehme“ (Platon 1994, S. 21). Es ist allerdings nicht so, dass der alte Mann die griechischen Götter jener Zeit lästern oder die ihnen gewidmeten Tempel entweihen würde. Er hat auch keine jungen Menschen verletzt oder sie schlecht behandelt. Das geben auch diejenigen zu, die ihn anklagen. Dennoch soll das, was dieser alte Mann getan hat, so schwerwiegend gewesen sein, dass der Tod als angemessene Strafe angesehen wird. Was aber hat er eigentlich getan? Weiterlesen