Was vernünftig ist, das ist wirklich

G. W. F. Hegel: „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ – gegengelesen 1

G. W. F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts

G. W. F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts

1687 veröffentlicht Isaac Newton die Principia Mathematica und führt damit der Welt vor Augen, dass die Abläufe in der Natur strengen Gesetzen folgen. Nicht mythische Kräfte oder höhere Mächte bestimmen den Lauf der Dinge, sondern diese halten sich brav an für den Menschen nachvollziehbare Gesetzmäßigkeiten. Die Welt ist offenbar vernünftig eingerichtet.

Über 130 Jahre später, 1820 um genau zu sein, wundert sich ein Berliner Philosophieprofessor, warum wir uns die Natur als wohlgeordnet vorstellen, das Zusammenleben der Menschen hingegen als unordentlich. Müsste nicht mehr noch als die Welt, deren Gegenstände jeder Vernunft entbehren, eben jene Welt vernünftig eingerichtet sein, deren Mitglieder wir als vernunftbegabte Wesen ansehen? Weiterlesen

Fördert Liberalismus Migration?

Ivan Krastev: „Europadämmerung“ – gegengelesen 2

Ivan Krastev: Europadämmerung

Ivan Krastev: Europadämmerung

Ivan Krastev sieht die EU als ein spekulatives Projekt, weil ihr Gelingen von einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklung abhängig sei:

„Die Europäische Union ist eine hochriskante Wette darauf, dass die Menschheit sich in Richtung einer demokratischeren und toleranteren Gesellschaft fortentwickeln wird.“ (S. 26)

Man kann eine solche Aussage als Feststellung lesen, aber man kann sich auch kaum des Eindrucks erwehren, dass hier Kritik mitschwingt. Jedenfalls erscheint es wenig ratsam einen Staatenbund auf einer Grundlage zu errichten, die man als unsicher oder gar „hochriskant“ ansieht. Entsprechend könnte man Krastev hier einmal mehr so verstehen, dass er Naivität am Werke sieht. Weiterlesen

Der Naturzustand

John Locke: „Über die Regierung“ – gegengelesen 3

John Locke: Zwei Abhandlungen über die Regierung

John Locke: Zwei Abhandlungen über die Regierung

John Locke unterscheidet politische Macht von derjenigen des Vaters über seine Kinder oder von derjenigen eines Herrn über seine Diener und Sklaven. Diese verschiedenen Formen der Macht gleichzusetzen, wirft er dem seinerzeit einflussreichen Robert Filmer vor. Anders als dieser leitet Locke politische Macht nicht aus väterlicher ab, sondern sieht in ihr eine andere Ausgangslage, weil sich hier auch Menschen gleichen Alters und gleichen Rangs gegenüberstehen. Politik muss die Beziehungen aller Menschen zueinander regeln, nicht nur jene, die sich ohnehin schon durch Ungleichheit auszeichnen. Locke sieht deshalb darin in erster Linie ein Rechtsverhältnis:

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